Alte Mühle

alte Mühle - sw-Foto

Einst rieb der Mühlstein Tag ein Tag aus hinter diesen Türen Zentnerweise Getreide. Eine Patina aus Mehl fand sich vermutlich sogar in dem Bett der Hausmaus, die hier nächtlich auf Futterstreifzug war. Überall Mehlstaub. Der warme herbe Geruch vom Roggen muss schwer in der warmen Spätsommerluft gehangen haben.

Harte körperliche Arbeit für eines der kostbarsten Lebensmittel.

Ein gutes Bauernbrot. Sauerteig. Die gärenden Bakterien, die seit Jahren ihren Dienst tun. Da ist dieser feste, schwere Teig, der dank der Kulturen erst weich und dehnbar wird. Das klebrige Eiweiß des Roggens formt so ein wunderschönes Gitter.

Zeit – ein gutes Brot braucht Zeit. Viel Zeit. Unsere schnelllebige Gesellschaft hat ebendiese oft nicht.

Während das Brot im Gärkörbchen steht, wird der Ofen geschürt.

Ab in die glühende Hitze.

Der dumpfe, hohle Klang der harten Knusperkruste lässt gutes verlauten. Der erste Schnitt. Die Brotenden dick mit Butter beschmiert. Der warme, malzige Duft des frischen Brotes in der Nase…

Selbst Reinhard Mey sang in „das Butterbrot“:

„Ich hab bei Meistern gegessen, Sternezaubrern hinterm Herd, Aber was ich über ihre Künste nie vergessen werd, Ist das Brot, das warm und luftig aus der Meisterküche kam“

So verweht also der Brotduft aus der Backstube mit den Gedanken an die Realität. Verfällt doch dieses Kleinod wie so viele andere. Kein Nachfolger? Industrialisierung? Unwirtschaftlichkeit? Vielleicht eine Mischung aus all dem.

Aus der Zeit gefallen. So wie ein gutes Butterbrot.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden

Diese Website verwendet wenige Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung dieser Website stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung