Tal im Nebel

Pfahl im Nebel

Wie aus der Zeit gefallen!

Als könne man die dicken, schweren Wanderstiefel der Vorfahren hören, die sich dort auf dem sonntäglichen Spaziergang talaufwärts verdingt haben.

Während die Suppe an diesem spät-sommerlichen Morgen über allem hängt und die Sonne den Kampf gegen den Nebel aufgegeben hat, vernimmt man nur den Kuckuck, irgendwo im tiefen Dickicht der Baumwipfel. Kein Rauschen der Blätter. Kein knarzen der Äste. Den eigenen Atem hören.

Jeder Schritt eine Störung der Umgebung.

Der Blick ins Tal ruft alte Kinderlieder ins Gedächtnis. Während mir also die Melodie von „Ein Hase saß im tiefen Tal“ in den Ohren rappelt und meine Lauscher dringend ein Entwurmungsmittel gegen musikalische Ohrwürmer bräuchten, denke ich darüber nach, wie viele Wanderer wohl früher hier an dem freien Tag lang stiefelten und wie wenig Menschen mir heute begegnet sind. Null.

War wandern doch mal so was wie Volkssport. Die Belohnung am Ende, eine kräftige Erbsensuppe, in der der Löffel aufrecht stehen konnte und dazu eine dicke Scheibe dunkles Sauerteigbrot. Muss die fingerdicke Butter darauf erwähnt werden? Ich denke nein – und dazu eine Rieslingschorle und für die Kleinen eine Limo.

Eingekehrt in die warme Gaststube einer Straußwirtschaft. Die kalten Füße, die dank der wärmenden Suppe und dem Knistern im Kamin wieder zum Leben erweckt wurden.

Der alte Jagdhund, der zufrieden schnaufend auf dem alten Teppich vorm Ofen liegt.

Die Katze, die vor der Wirtschaft wie eine Brezel zusammengerollt in einem ausrangierten Blumentopf schlummert..

Frieden.

Ein erneuter Blick über die Hügel im Tal und ein Blick hinter mich verspricht, das Ziel bald erreicht zu haben. Nur noch diesen Berg und den nächsten und den übernächsten.

Irgendwo im Nirgendwo. Der Weg ist mein Ziel. Die Belohnung, die wärmende Erbsensuppe, ist mit dem ausbleiben der Wanderer ausgestorben. In meiner Tasche wartet, in Wachstücher eingeschlagen, ein Käsebrot und in meinem Thermobecher ein guter Bohnenkaffee.

Die Zerstörung der Stille, als ich mich wieder in Bewegung setze, ist fast wie ein Donnergrollen unter den Füßen. Die verdorrten Halme bersten unter meinem Gewicht. Dieser Sommer endet hier und der Herbst erhält gemächlich Einzug. Noch rasch über den nächsten Hügel. Dann wird der dampfende Kaffee ausgepackt und die Füße wieder zum Leben erweckt, wenn der wärmende Trunk in den Magen fließt. Nur noch der nächste Hügel…

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