Taggespenster

Blattgesicht

Gesichter überall.

Wo Du hinschaust, kleine Gespenster. Dein Hirn spielt dir einen Streich, erkennt in vertrauten Strukturen Dinge – wie eben Gesichter. Diese kleinen Taggespenster hängen überall. An dem Baum vor deinem Haus, im Strauch auf Omas Balkon, in dem Blatt was sich im Spinnennetz auf dem Dachboden verfangen hat. Auf Baumrinden, Ästen, löchrigem Käse und den Mottenklamotten aus Tante Elises Katakomben.

Selbst im Katzenfell der Nachbarskatze – Taggespenster überall.

Harmlose, kleine Gesellen. Friedfertig, freundlich dreinschauend. Meist verzerrtes Grinsen, leicht entsetzter Blick. „Wie?! Du hast mich hier entdecken können?“

Manche der kleinen Taggespenster bleiben lange. Andere sind sehr vergänglich. Kurzweilig, bis der Herbst vom Winter abgelöst wird, taumeln die Blattgespenster durch den Wind. Verheddern sich, kleben auf deiner Fensterbank und auf der Scheibe deines Autos. Wieviele hast Du heute schon gesehen? Man könnte meinen, die werden zu Plagegeistern und verfolgen am allerliebsten Menschen, die verträumt Details in der Welt suchen.

Sind es noch so viele – sie scheinen nicht im Rudel zu leben. Das beruhigt! Man stelle sich vor, Du müsstest sie morgens alle vor deiner Haustür verscheuchen – nicht auszudenken…

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