Flüssiges Gold

Baumharz an Kirschbaum

Kostbarkeiten aus der Natur.

Baumharz. Der Feind des Autolacks, der Freund des archäologischen Sachensuchers.

Verklebt in dem goldenen Saft, konserviert über Jahrtausende hin so manche Rarität und wartet darauf, von Dir gefunden zu werden. Nur wo?! Das klebrige Gold, was über die Jahre steinhart und stabil wird, glitzert frisch in der Abendsonne. Der betörende Duft – sofern du ein Insekt bist – lockt in die Todesfalle. Bitter-süßes für den, der es in tausenden Jahren findet! Die schwer zu beschreibende Farbe ähnelt flüssigem Honig, mal rötlicher, mal bräunlicher, aber immer in ähnlicher Art und Weise und immer klebrig. Das scheint ein Naturgesetz.

Eigentlich quillt es eher als dass es tropft. Jeden Sonnenstrahl fängt der dicke Saft auf und bringt das Gefunkel auf ein neues Level. Der Meisterkleister drückt sich in jeden Haarriss, als wüsste er den Bauplan jedes einzelnen Astes und jeder Kapillare. Unbeirrbar versiegelt er, was andere beschädigt haben. Schutz vor Ungeziefer. Schutz vor Schmutz. Schutz vor allem, was einem Riss im Holz schaden kann.

Verhängnisvoll. Verlockend. Auch für den heil-kundigen Menschen.

Der schwere Duft, eine Mischung aus herben Terpenen, saftigem Holz, Tabak und hauchzarter Süße beflügelt die Sinne, rückt man mit der Nase nah genug an den Ast. Beschreibe den Duft eines torfigen Waldes in nebligen November mit einer Pfeife in der Hand und einem Stück Zartbitter im Mund. Du bist nah dran an dem, wie frisches Baumharz riecht.

Wie viele Hosen hast Du ruiniert, wenn du mit deinen Freunden durch die Baumwipfel gezogen bist? Und wie oft hat Mutti dir dafür die Löffel lang ziehen wollen?

Das klebrige Gefühl auf der Haut wirst Du heute jedenfalls nicht mehr los. Egal wie oft du versucht, deine Hände im feuchten Gras abzureiben.

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