Wie wirklich gute Fotos entstehen

In diesem Beitrag möchte ich Dir die wichtigsten Tipps für wirklich gute Fotos geben.

In vielen Blogbeiträgen und Lehrvideos (auf Youtube & Co.) wird der Technik aus meiner Sicht viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Bitte verabschiede Dich von der Vorstellung, dass die meisten guten Fotos als „Schnappschuss“ nebenbei entstehen.

Ein künstlerisch anspruchsvolles Foto, das mehr enthält, als ein „scharfes und gleichmäßig belichtetes Motiv“, setzt fast immer eine Beschäftigung mit einem vorhandenen Motiv voraus – von echten Zufällen mal abgesehen.

Selbst in der Straßenfotografie im Stile „Henri-Cartier-Bressons“ und ähnlicher Ikonen, kann man bei deren Werken nicht mehr vom Zufall sprechen, da die quasi immer eine Kamera bei sich trugen und ständig auf der Suche nach „dem Schnappschuss“ waren.

Ich weiß, wovon ich rede. Wenn ich ohne Kamera aus dem Haus gehe, bin ich wahrscheinlich krank, oder schlimmeres ….

Wie sich nach Jahrzehnten herausstellte, war sogar der berühmte Kuss in Paris von Doissenau ein gestelltes Foto mit Models… Wer hätte es gedacht ?!

Fototechnik + Idee + Motivstudie = gutes Foto

Neben der eingesetzten Fototechnik – Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, Objektivbrennweite und vielem mehr, entsteht ein gutes Foto vor allem, indem Du Dich mit einem Motiv, einer Szene, die Du siehst beschäftigst, sie von verschiedenen Standpunkten aus betrachtest und ihren „Spirit“ bewusst erfasst.

Meist entsteht es durch probieren, experimentieren und dem bewussten gestalten eines Fotos aus einem bestehenden Motiv / einer Szene.

An dieser Stelle möchte ich Dir noch den Tipp geben: Versuche nicht, während eines Spazierganges mit Deiner besseren Hälfte oder Deinen Eltern mit einer Speicherkarte voll toller Fotos nach Hause zu kommen. Nicht jeder wird es mögen, wenn Du stundenlang um einen Baum schleichst, um nach zig Perspektivwechseln und Belichtungsreihen endlich „Heureka“ rufst und weitergehen willst.

So, wie Dienst bekanntlich Dienst und Schnaps bekanntlich Schnaps ist, sind „fotografieren gehen“ und „spazieren gehen mit dem Liebsten“ zwei paar Schuhe (trotzdem: Nimm Deine Kamera ruhig mit – natürlich kannst Du auch schöne Fotos beim Spazierengehen schießen….).

Das Motiv ist nicht das endgültige Foto

Das endgültige Foto liegt im Motiv und muss noch von erarbeitet / herausgearbeitet werden !

Das Motiv ist nicht das endgültige Foto

Flatfield

So, wie ein Bildhauer aus einem rohen Marmorblock eine beeindruckende Skulptur schaffen kann, kannst Du als Fotograf aus einem Motiv ein endgültiges Bild schaffen. Aber weder der Marmorblock selbst noch die Szene, die Du siehst, sind die Endergebnisse; sie stecken dort nur drin (oder auch nicht).

Wie bei der Bildhauerei und dem unbehauenen Marmorblock setzt ein gelungenes Endergebnis die Beschäftigung mit dem Vorhandenen und der Verbindung mit Deiner Vorstellung davon, wie es werden soll, voraus.

Das endgültige Foto führt meist über den Weg: sehen >> erkennen >> gestalten >> nachbearbeiten.

  • Sehen: Du siehst eine Szene und vermutest, dass sich darin ein lohnendes Foto verbergen könnte.
  • Erkennen: Du beschäftigst Dich mit der Szene intensiv, betrachtest sie von verschienen Seiten, entwickelst Deine Bildvorstellung und entscheidest Dich dafür, ein Foto zu schießen.
  • Du fotografierst die Szene in unterschiedlichen Ausschnitten, von unterschiedlichen Standpunkten aus und mit unterschiedlichen Belichtungsvarianten; die nötigen Nachbearbeitungsschritte gehen Dir schon durch den Kopf.
  • Nachbearbeiten: Zurück am PC bearbeitest Du das endgültige Foto hinsichtlich Kontrasten, Farben, Ausschnitt, partieller Abdunklung oder Aufhellung, Kontrasten u.s.w.

Manchmal ist es aber auch so, dass Du vor eines Szene stehst, die Dich „anmacht“, aus der Du aber partout kein befriedigendes Foto machen kannst.

Akzeptiere es einfach, oder um es mit Ansel Adams zu sagen:

Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute

Ansel Adams

Sehe Deine Stadt wie ein Tourist

Eine schöne Übung dafür, wie aus Motiven tolle Fotos werden können ist die folgende:

Gehe durch Deine Stadt, Dein Dorf oder durch eine Gegend, die Du gut kennst, wie ein Tourist.

Schaue in jeden Winkel, an dem Du vorbei kommst, betrachte selbst scheinbare Banalitäten, die Dir auffallen länger und überlege Dir, was es hier gerade interessantes zu sehen gibt.

Beschäftige Dich mit der Szene, die Du siehst. Betrachte sie durch den Suche / den Monitor Deiner Kamera. Verändere die Brennweite, spiele mit Bildausschnitten, belichte über, belichte unter und schau, wie das Ergebnis auf Dich wirkt.

Ist die Szene wirklich ein interessantes Farbfoto, oder wäre es in schwarz-weiß vielleicht noch schöner ?

Wer unmittelbar vor seiner eigenen Haustür keine guten Fotos machen kann, der kann es auch woanders nicht. Das einzige, das wechselt, sind die Motive, aus denen man gute Fotos erstellen kann.

Für uns Westeuropäer ist natürlich eine Straßenszene im fernen Orient ein „tolles Motiv“. Für den Orientalen, der dort lebt, ist es einfach der banale Alltag.

Zum Festhalten Deiner Erinnerungen reicht es, wenn Du die orientalische Straßenszene mit der Programmautomatik Deiner Kamera „scharf und richtig belichtet“ fotografierst.

Für ein besonders schönes Foto musst Dich aber intensiver mit der Szene beschäftigen.

Es geht nicht darum, schöne Dinge zu fotografieren, sondern Dinge schön zu fotografieren.

Flatfield

Grundlagen der Bildgestaltung

In der Kunst gibt es bekanntlich kein Richtig und kein Falsch.

Aber es gibt ein paar etablierte Regeln, die Dir dabei helfen können Fotos zu erzeugen, die für den Betrachter harmonisch oder spannend komponiert sind.

Der Goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt ist sozusagen die Königsdisziplin der Bildgestaltung.

Die Firma Whitewall hat in diesem Beitrag sehr schön beschrieben, worum es dabei geht.

Artikel von Whitewall

Die Drittelregel

Abgeleitet von der etwas komplizierteren Regel des „Goldenen Schnittes“ hat sich in der Fotografie die so genannte „Drittelregel“ etabliert.

Sie steht für Bildkompositionen, bei denen das fertige Bild in Drittel unterteilt ist. Diese Drittel können horizontal oder vertikal eingeteilt sein.


Das typische „Knipsbild“ nimmt ein Motiv in die Mitte des Fotos – oder bildet es möglichst formatfüllend ab. Fotos, die so komponiert sind, können ganz nett sein, oft fehlt ihnen aber die Spannung.

Ein wirklich einfaches Rezept, um mehr Pepp ins Bild zu bringen ist, es zu dritteln.

Das Hauptmotiv muss nicht in der Mitte des Bildes stehen. Es kann z.B. auch am Rand eines Bildes platziert sein.

Die Hotizontlinie zwischen Himmel und Erde muss nicht durch die Mitte des Bildes laufen; oftmals bringt alleine schon die Aufteilung 1/3 zu 2/3 (Himmel / Erde) ein wesentlich spannenderes Foto zutage.

Die Drittelregel lässt sich aber nicht nur auf Landschaftsfotos anwenden: Auch bei Ganzkörperportraits ist es oft spannender, sein Modell z.B. an den Rand zu stellen und vielleicht mal in den „negativen Raum“ blicken zu lassen.

Der negative Raum

Der negative Raum wirkt als ruhendes Gegengewicht zum Hauptmotiv eines Bildes.

Der Blick, der ins Leere geht, das offene Meer links vom Leuchtturm oder der weite Himmel neben den ausladenden Ästen eines imposanten Baumes….

All das sind typische Beispiele für den „negativen Raum“.

Gerade in Kombination mit der Drittelregel kannst mit deren bewusstem Einsatz bei der Bildgestaltung schon viel spannendere Fotos schaffen, als bisher.

Hier ein typisches Beispiel eines Bildes mit negativem Raum rechts.

Führende Linien

Führende Linien nennt man Linien im Bild, die den Betrachter des Bildes geradezu zu einem Motiv hinführen.

Typische Beispiele führender Linien sind Küstenlinien, die den Betrachter des Bildes z.B. entlang der Strandlinie bis zum Leuchtturm führen.

Linien im Motiv kommen aber nicht nur am Meer vor: Achte bewusst darauf, ob Du in der Szene, die Dir gefällt Linien findest, die Du als führende Linie nutzen kannst.

Das können aufgemalte Linien auf der Straße sein, der Bachlauf, ein Weg im Feld, Schatten und vieles mehr.

Kombiniere führende Linien mit der Drittelregel und schon hast Du spannendere Bilder als zuvor….

Die gesamte Küstenlinie führt den Betrachte zum Horizont und aus dem Bild hinaus

Die Einrahmung

Eines der ältesten Gestaltungselemente in der Fotografie ist sicher die Einrahmung eines Motivs.

Oft wäre es langweilig, ein Motiv „einfach so“ abzubilden.

Mit einer Einrahmung wird das Motiv selbst aufgewertet, der Betrachter wird zu ihm hingeführt.

Eine Einrahmung kannst Du mit nahezu allem erreichen, was in der Szene vorhanden ist: Ein Ast, ein Laubblatt, ein paar Steine (durch die der Blick aufs Motiv geht) und vieles mehr.

Der Mont St. Michel, eingerahmt von seiner eigenen Brücke…

Weitere Gestaltungselemente

Natürlich gibt es noch viele weitere Gestaltungselemente in der Fotografie, auf die ich hier nach und nach eingehe, u.a.

  • Hell / dunkel / Tiefe
  • Weitwinkel
  • Tele (Verdichtung)
  • Bewegungsunschärfe
  • Bildformat

Die Technik kommt zum Schluss

Alle Fotos dieser Seite sind ohne große technische Finessen entstanden. Ihre wichtigsten Kriterien sind die Beschäftigung mit den vorhandenen Szenen und dem bewussten Gestalten des fertigen Bildes über Bildaufteilung / Ausschnitten und Nachbearbeitung.

Wenn Du wirklich gute Fotos machen willst, dann stelle Deine Kamera auf „P“ oder „AI“ und konzentriere Dich eine zeitlang einfach nur darauf Dein endgültiges Bild aus der jeweiligen Szene zu gestalten.

Damit bist Du vermutlich schon bei 80% dessen, was möglich ist. Den Rest holst Du Dir mit der richtigen Technik.

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