Marionette

Sie hat die Fäden nicht selbst in der Hand. Niemals nie. Fremde steuern sie willkürlich. Sie begeistert ein breites Publikum. Der, der sie steuert, verleiht ihr den Charakter. Färbt ab & nimmt ihn auch wieder, also den Charakter. Charakterlos? Oder vielleicht doch nicht?

Denn der Künstler, der sie erschaffen hat, verlieh ihr ja nun ein ausdrucksstarkes Aussehen. Ist das schon ihr Charakter? Oder ist es der seine? also der des Künstlers, der sich in seinem Werken verewigt.

Fremdgesteuert ist so negativ behaftet. Dabei kann es, wie im Falle der Marionette doch so kostbar sein. Ein wandelbarer Charakter, viele Eigenschaften und zugesprochene Attribute.

Jederzeit eine neue Rolle – eine unendliche Möglichkeit des Spiels. Bösartigkeit. Liebevoll. Schüchtern. Killer. Gejagter.

Hätte sie selbst die Fäden in der Hand, sie wäre nicht formbar. Sie wäre ihre eigene Rolle. Sie würde ein selektives Publikum begeistern und nicht die breite Masse, der sie sich sonst so gut anpassen kann. Öffnet sich der Vorhang der Bühne, schlüpft sie fremdgesteuert jeden Tag aufs neue in ein anderes Leben.

Vielleicht ist sie für diesen letzten Punkt zu beneiden. Vielleicht.

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