Individualist

schräges Gartenhaus

Gerade aus kann jeder. Schräglage bis an die Grenzen der Physik sind jedoch eine Kunst – wie diese Gartenhäuschen unter Beweis stellt. Pah! Wer braucht schon Physik, denkt sich die Hütte. Die Hummel weiß ja auch nicht, dass sie zu dick zum fliegen ist (sagt man).

Individualist! Querkopf! Freak! Wäre die Hütte von menschlicher Gestalt, womöglich würde sie dann so von anderen Menschen genannt werden, weil sie eben nicht gerade, sondern krumm ist.

Anders als die anderen, wie ein schwarzes Schaf in einer Herde voll weißer Schafe. Doch vielleicht ist genau das erstrebenswert. Sich abzuheben, hat ja auch was für sich – wären beide Häuschen gerade, wäre vielleicht kein Bild daraus entstanden.

Ob der dazu gehörige Gärtner selbst ein Quergeist ist, bleibt Spekulation. Vielleicht ist er auch einfach nur Verfechter des Prinzips, mit geringstem Zeitaufwand den höchstmöglichen Benefit zu haben. Lebenszeit eingespart durch schnellen Neubau, damit der teure Gasgrill wieder trocken stehen kann?

Die schräge Hütte dürfte mit jedem Windhauch schräger werden und irgendwann entscheidet die Last eines Staubkorns darüber, stehen zu bleiben oder der Schwerkraft nachzugeben.

Nicht zu glänzen wie im Katalog des Baumarktes, im Schatten der perfektionistischen Gesellschaft. Anders als die anderen und dennoch nicht unnütz und für den Gärtner mit Aufgabe und Zweck. Den Mehrwert in Individuellem zu erkennen, braucht manchmal einen zweiten Blick.

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