Im Kern ist nichts vergänglich

werden und vergehen

Melancholisch, fast düster wirkt die verwelkte Blüte neben der imposanten und gesund wirkenden anderen. Eine gruftige Stimmung legt sich über alles. Ich stelle mir dazu nun noch den Duft von heiligem Weihrauch vor und das Gefühl von einem kühlen Gemäuer, in dem ein offener Kamin knistert. Das Gemäuer füllt sich mit dunklen, schweren Möbeln und einem staubigen Lüster, dessen unpolierte Kristalle bei jedem Windhauch leise klimpern.

Dicke Staubschichten liegen auf den Schränken. Alte Geschichten könnten erzählt werden, aus jedem einzelnen Gefach, jedem Besteckteil oder jedem Polster.

Zurück zu der welken Blüte. Wir erfreuen uns an der Farbvielfalt, an dem betörenden Duft von Blumen, dem herben-würzigen Kraut von Heilkräutern. Der holzigen Note von Rinde und dem harzigen Geruch von Nadelhölzern. Die traurige Schönheit eines Blütenkopfs erinnert uns schnell daran, wie vergänglich Schönheit ist. Manche Blüten blühen nur Stunden, andere Tage oder gar Wochen. Verrückte Eigenschaften, wie das nächtliche schließen der Kelche bei Nacht oder dem der Sonne zuwenden – Köpfchen drehen, immer der Sonne entgegen.

Die strahlende Kraft der Blüte, die Schönheit eines Jungbrunnens, vergeht. Zurück bleibt manchmal eine kräftige Samenkapsel, versteckt unter den welken Blättern, wohl behütet.

Die dicke Samenkapsel wartet. Der richtige Zeitpunkt wird kommen. Dann, mit einem lautlosen Knall, werden sich tausende kaum sichtbare Samenkörner auf den Weg begeben, eine kraftvoll blühende Schönheit zu werden.

Vergänglich ist hier wohl nur der äußere Eindruck. Der Kern ist es nicht.

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