Domino

jüdischer Friedhof FFM

Friedhöfe. Manch einer fürchtet sie wie der Teufel das Weihwasser. Ehrfürchtig, zurückhaltend, mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert.

Die Gräber auf dem allen jüdischen Friedhof sind verwittert, gezeichnet von vielen Jahren, inmitten einer Großstadt, Wind, Regen und Sonne ausgesetzt. Gräber, die nicht nach kurzer Liegezeit gelöscht werden. Viele Jahrzehnte alt.

Teilweise wuchert Moos auf den kalten Steinen.Im Schutz des großen Baumes wirkt es so, als würden wollten die vielen Steine verstecken spielen wollen.

Nah beieinander gerückt wie Dominosteine oder Zinnsoldaten. Die Gravuren stark verwittert.

Ob diese Gräber noch Angehörige haben? Wer kommt sie besuchen?

Das Laub liegt in dicken Schichten wie ein Kissen zwischen den Grabsteinen.

Jeder Schritt raschelt und knistert trotz Lärm der Großstadt.

Die bereits gekippten Grabsteine lehnen lässig an ihrem Vorder- oder Nebenmann. Fast so, als wollten sie keck zu etwas auffordern. Millimeterweise scheint hier Bewegung im Boden zu sein.

Wohl doch eher Dominosteine als Zinnsoldaten.

Auch der Baumstamm hat stark gelitten. Ein Loch durch seine Mitte lässt sein marodes Dasein erahnen. Von der schützenden Rinde ist wenig übrig geblieben.

In der Ferne stehen einige Steine, denen man ein Dach gemeißelt hat. Geschützt hat es nicht. Auch der liebevolle Schnörkel – wie auf der Seite eines Buches – bringt den Glanz nicht zurück.

Der Zauber dieses vergessenen Ortes liegt in dem verstaubten Antlitz der Vergangenheit.

Ein leises Gefühl der Einsamkeit beschleicht die schmalen Gänge zwischen den Gräbern.

Ein Windhauch spielt mit den Blättern.

Morbide. Vergessen. Und irgendwann: verwunden.

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