Enten hausen

Ein wenig vor Wind und Wetter geschützt, ist Entenhausen.

Also das Haus einer alten Ente. 2CV. Die knatternde-schnatternde Keksdose auf 4 Rädern.

Einmal den Asphalt unter den Rädern spüren. Sehnsuchtsort Straße. Stattdessen in die Ecke gestellt und vergessen. Die Staubschicht erzählt Geschichten. Der müde Lack auch. Was einst in Hochglanz poliert in der Garage stand und von Liebhabern gehegt und gepflegt wurde, fällt nun der Vergessenheit zum Opfer.

Die sonntägliche Kutschierfahrt mit der ganzen Familie – an jedem Hügel ein Kraftakt für den kleinen Motor. Authentisches knattern und qualmen. Das Gefühl, mit den Füßen das Bodenblech beim Bremsen durchzutreten.

Das nie ganz dichte Dach. Die freundlichen Vorderlichter, die einem bei Nacht dennoch verlassen haben. Eine Blechdose, deren Optik immer wie ein freundlich lächelndes Gesicht durch die Stra0en Europas knatterte und das Herz eines jeden Fahrzeugliebhabers höher schlagen ließ.

Der Unterstand passt sich dem Fahrzeug an. Die alten Tonnen sind genauso marode wie die Substanz des 2CV. Die Rankpflanzen sind weiter gezogen. Zurück geblieben ist totes Material, was leblos von der Wand hängt wie ein alter Flickenteppich.

Die vergessene Bierflasche an der hölzernen Wand erzählt davon, dass hier gelegentlich Menschen sind. Oder waren?

Zwischen Laub und Dreck, den der Wind unter den Unterstand geweht hat, liegt gut verdeckt vom Dreck vergessener Unrat. Der Putz der Rückwand bröselt.

Erstaunlich viel Profil haben die Wagenräder – sie stechen aus all den Stilblüten hervor wie die Sahne auf einem Kakao. Mit viel Phantasie kann man unter dem Frontfenster des Wagens eine Inschrift erahnen. Ein ehemaliges Firmenfahrzeug? Oder der Name des Fahrzeugs? Die Frage bleibt unbeantwortet.

Die Aufkleber auf der Scheibe erzählen von Reisen. Muss schön gewesen sein, damals, hochglanzpoliert. Auf dem Asphalt.

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