Vanlife in Südfrankreich – Was geht und was nicht?

Bitte beachte, dass die nachfolgende Beschreibung keine Rechtsberatung darstellt, sondern lediglich meine eigene Einschätzung aufgrund persönlicher Recherchen und Erfahrungen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich reise seit Jahren mit dem Van durch Frankreich und ich finde, es ist sehr unkompliziert und einladend, im Van durch Frankreich zu reisen.

Ich besitze einen umgebauten Bus (Renault Trafic) – also einen „etwas zu groß geratenen Kombi“ und wenn ich von „Vanlife“ spreche, meine ich genau so etwas und keine Riesen-Luxus-Camper mit 6-10 Metern Länge.

Ich finde, diese großen „Schiffe“ gehören auf Camping- oder Vanplätze und nicht auf normale Parkplätze.

Aber – selbst für diese haben die Franzosen offensichtlich Herz genug, um sie auf normalen Parkplätzen stehen zu lassen.

Ich lebe ein recht minimalistisches Leben und das drückt sich auch in meinem Van aus.

Beim Vanlifen verfolge ich zudem den Grundsatz „No Trace“ – das bedeutet, dass wenn ich weiterreise nichts von mir, außer den Reifenspuren auf dem Boden zurück bleiben soll – kein Dreck, keine Mülltüten – nichts – ich verlasse den Ort so, wie ich ihn vorgefunden habe.

Für viele ist Vanlife nicht nur eine Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen, sondern auch ein Abenteuer, das die Freiheit des Reisens mit einem minimalistischen Lebensstil vereint. Doch wie sieht die rechtliche Lage aus? Was ist in Frankreich erlaubt, was verboten? Und was genau unterscheidet Freistehen, Campen und Campieren? Dieser Artikel beleuchtet die rechtlichen Aspekte und gibt praktische Tipps für alle, die mit dem Van durch Frankreich reisen wollen.

Landschaftsfoto vom Gipfel des Mont Ventoux in der Provence
Blick vom Mont Ventoux in der Provence – das Foto entstand morgens gegen 07:00 – es war aschkalt und es stürmte, als ich aus dem Van stieg – und es hat sich gelohnt…..
Kick aufs Bild, um die anderen Mont-Ventoux Bilder zu sehen.

1. Was ist Vanlife?

Vanlife bezeichnet die Art zu leben und zu reisen, bei der man in einem umgebauten Van oder Camper lebt, schläft und unterwegs ist. Dieser Lebensstil ist eng mit dem Konzept der Freiheit verbunden. Die Möglichkeit, jederzeit und überall zu stoppen, neue Orte zu entdecken und die Natur zu genießen, ist für viele Menschen der Hauptreiz des Vanlifes.

In Frankreich ist Vanlife besonders attraktiv. Das Land bietet eine Vielzahl an Landschaften – von den Stränden der Côte d’Azur über die Berge der Alpen bis hin zu den ländlichen Regionen in der Normandie oder den Weinbergen des Bordelais. Diese Vielfalt macht Frankreich zu einem perfekten Ziel für Vanlife-Enthusiasten.

2. Was ist erlaubt? – Die Rechtslage in Frankreich

Vanlife in Frankreich ist grundsätzlich erlaubt, aber es gibt eine Reihe von Regelungen, die man beachten sollte. Die französischen Gesetze unterscheiden zwischen verschiedenen Arten des Übernachtens im Van: Freistehen, Campen und Campieren. Doch bevor man sich auf eine Reise begibt, ist es wichtig, sich über die jeweiligen Vorschriften zu informieren.

Freistehen

Freistehen bedeutet, dass man außerhalb von offiziellen Campingplätzen oder Stellplätzen übernachtet, oft in abgelegenen oder naturnahen Gebieten. In Frankreich ist das Freistehen nicht überall erlaubt. Es gibt keine allgemeingültige Regel, die besagt, dass das Übernachten im Van überall und jederzeit erlaubt ist. Allerdings ist es in vielen ländlichen Gegenden oder in weniger touristischen Regionen nicht verboten, wenn man sich respektvoll verhält und keine negativen Auswirkungen auf die Natur oder Anwohner hat.

Als „Freisteher“ gehört es zum guten Stil, sich nicht auszubreiten, seine Wäsche aufzuspannen und sich episch auszubreiten, wie in einem Sommerlager.

Gegen einen Klapptisch und einen Klappstuhl, den man abends zum Weintrinken benutzt und ansonsten wieder in den Van räumt, hat sicher niemand etwas….
Ganz im Gegenteil: Nach meiner Erfahrung erntet man in Frankreich eher Anerkennung, wenn man es sich zum Vespern gemütlich macht…

In bestimmten Gebieten, wie Nationalparks oder Naturschutzgebieten, kann das Freistehen allerdings verboten sein. Auch in der Nähe von historischen Denkmälern oder auf Privatgrundstücken ist es ohne Erlaubnis des Eigentümers nicht gestattet, zu parken oder zu übernachten. Im Allgemeinen gilt: Freistehen ist in Frankreich möglich, aber man sollte stets die lokale Gesetzgebung und die Hinweisschilder respektieren.

Oftmals haben Parkplätze einfach eine Höhenbegrenzung – durch eine Barke oder dergleichen. Nicht selten liegt die bei 2,00 bis 2,20 Meter.
Alleine das hält natürlich viele Riesencamper-Vans schon vom Platz ab….

Campen

Campen bedeutet das Übernachten in einem Campingbereich oder auf einem offiziellen Stellplatz. In Frankreich gibt es zahlreiche Campingplätze, die mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet sind, von Toiletten und Duschen bis hin zu Restaurants und WLAN. Diese Plätze sind ideal für Reisende, die auf der Suche nach Komfort sind und die Infrastruktur eines organisierten Campingplatzes schätzen.

In Frankreich gibt es sowohl private als auch kommunale Campingplätze, die in der Regel in touristischen Gebieten oder in der Nähe von Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Hier ist das Campen nicht nur erlaubt, sondern auch weit verbreitet. Allerdings müssen für den Aufenthalt auf diesen Campingplätzen oft Gebühren gezahlt werden, und es gibt spezifische Öffnungszeiten, die beachtet werden sollten.

Campieren

Campieren bezeichnet das Zelten auf unbefestigten Flächen, oft im Rahmen von Outdoor-Aktivitäten wie Wanderungen oder Fahrradtouren. In vielen Teilen Frankreichs ist das Campieren in freier Natur ebenfalls erlaubt, solange es in einem respektvollen und umweltschonenden Rahmen erfolgt. In vielen Gebirgsregionen, wie den Alpen oder den Pyrenäen, gibt es spezielle „Wildcamping-Zonen“, in denen das Campieren erlaubt ist, allerdings gibt es oft spezifische Regelungen hinsichtlich des Verhaltens und der Dauer des Aufenthalts.

In urbanen Gebieten oder in der Nähe von Städten ist das Campieren im Allgemeinen nicht erlaubt, da es in den meisten Fällen als störend empfunden wird und zu Problemen wie Müll und Lärm führen kann. Auch hier gilt, dass man auf Privatgrundstücken oder in geschützten Naturgebieten die Erlaubnis des Eigentümers oder der zuständigen Behörde einholen muss.

3. Was ist verboten? – Die wichtigsten Regelungen

Obwohl Vanlife in Frankreich weitgehend als Legitim angesehen wird, gibt es bestimmte Regeln und Verbote, die beachtet werden müssen.

3.1 Wildes Campen

„Wildes Campen“ oder „Wildcamping“ ist in vielen Teilen Frankreichs nicht erlaubt. Besonders in städtischen Gebieten, in Naturschutzgebieten und in der Nähe von historischen Monumenten wird das Übernachten im Van ohne Genehmigung meist als illegal betrachtet. Es kann zu Bußgeldern kommen, wenn man gegen diese Vorschriften verstößt.

Besonders in Regionen mit hoher touristischer Nachfrage, wie der Côte d’Azur oder den beliebten Stränden der Bretagne, gibt es oft Schilder, die auf das Verbot des Freistehens oder Wildcampens hinweisen. In Nationalparks und Naturreservaten ist das Übernachten im Van grundsätzlich verboten, um die natürliche Umgebung zu schützen.

3.2 Lärm und Abfall

Ein weiteres Verbot betrifft Lärm und Abfall. In vielen Gebieten ist es untersagt, nachts laute Musik zu hören oder den Camper in einer Weise zu betreiben, die andere stört. Auch das Liegenlassen von Müll oder das Entsorgen von Abwässern außerhalb von dafür vorgesehenen Einrichtungen ist strikt verboten.

3.3 Übernachten auf Privatgrundstücken

Das Übernachten auf Privatgrundstücken ohne ausdrückliche Erlaubnis des Eigentümers ist ebenfalls verboten. Zwar gibt es in Frankreich viele Menschen, die Campern oder Vanlife-Enthusiasten ihre Grundstücke zur Verfügung stellen (z.B. über Plattformen wie „Park4Night“), aber man muss immer die ausdrückliche Erlaubnis des Grundstückseigentümers einholen.

4. Wo darf man übernachten? – Stellplätze und Campingplätze

Frankreich bietet eine Vielzahl von Campingplätzen und Stellplätzen, die speziell auf Vans und Wohnmobile ausgerichtet sind. Diese Plätze sind in der Regel gut ausgestattet und bieten sowohl Annehmlichkeiten als auch ein sicheres Übernachtungsumfeld.

4.1 Stellplätze (Aires de Service)

In vielen französischen Städten und ländlichen Regionen gibt es sogenannte „Aires de Service“ – spezielle Stellplätze für Wohnmobile und Camper. Diese Plätze sind meist kostenlos oder kosten einen kleinen Betrag und bieten grundlegende Einrichtungen wie Wasseranschluss, Abfallentsorgung und manchmal auch Entsorgungsmöglichkeiten für Abwässer. Stellplätze sind vor allem für Vanlifers geeignet, die auf der Durchreise sind und keine langen Aufenthalte planen.

4.2 Campingplätze (Campings)

Campingplätze bieten mehr Komfort und Ausstattung als Stellplätze. Sie verfügen über sanitäre Einrichtungen, Restaurants, Freizeitangebote und oft auch Stromanschlüsse für Wohnmobile. In Frankreich gibt es sowohl große, touristische Campingplätze als auch kleinere, ruhigere Plätze in ländlichen Gegenden. Campingplätze sind besonders in den Sommermonaten gefragt und sollten im Voraus gebucht werden, wenn man in einer belebten Region unterwegs ist.

5. Tipps für das Vanlife in Frankreich

  • Respektiere die Natur: Wenn du im Van übernachtest, hinterlasse keine Spuren. Achte darauf, deinen Müll ordnungsgemäß zu entsorgen und respektiere die Natur. Das gilt auch für Taschentücher, die – insbesondere Frauen – gerne mal nach dem Pipimachen benutzen und einfach liegen lassen. Das muss nicht sein! Steck das Tuch in den Müllbeutel und entsorge es ordentlich, es ist nämlich kein Abfall, der sich schnell organisch zersetzt.
  • Nutze Apps und Websites: Es gibt verschiedene Apps und Websites, wie „Park4Night“, die dir helfen, geeignete Stellplätze zu finden, die vom Gesetz her erlaubt sind. Sie bieten auch Bewertungen von anderen Vanlifern.
  • Öffentliche Wasserstellen
    Zum Nachfüllen von Vorrat gibt es in Frankreich viel mehr Zapfstellen, als in Deutschland. In der Park4Night-App kannst Du sogar Plätze danach aussuchen, ob es Wasser dort gibt (nicht immer zu 100% verlässlich).
  • Toiletten unterwegs
    Es war noch nie anders und ich vermute, es wird sich auch nie ändern: Die Franzosen haben eindeutig kein gutes Verhältnis zu öffentlichen Klos…
    Mal haste Glück und mal jagt es Dir den Schrecken in die Glieder…
    Am besten hast Du ein Klo im Van, unterwegs immer Desinfektionstücher dabei und freust Dich, wenn Du auch mal ein öffentliches Klo findest, das Du unbefangen benutzen kannst ;-).
    Die Zeit der gefürchteten Stehklos geht allerdings klar zuende….sie werden immer seltener.
    Auf Campingplätzen sind die Toiletten meist recht unbefangen benutzbar….
  • Wäsche waschen unterwegs
    Wer mal einen Waschtag einlegen will, dem empfehle ich das Einbuchen auf einem Campingplatz. Dort gibt es normalerweise Waschmaschinen – und vor allem Platz, um die Wäsche auch aufzuleinen.
    Ansonsten gibt es auf Parkplätzen vieler Supermärkte – den größeren – öffentlich zugängliche Waschmaschinen und Trockner.
  • Tanken
    In Frankreich sind die Preisunterschiede bei Treibstoffen teils gigantisch, von Tankstelle zu Tankstelle. Und damit meine ich nicht die 2-3 Ct. Unterschied, wie in Deutschland.
    Oft kostet der Sprit an der Tankstelle 1-2 km weiter 20-30 Ct. weniger, als an der erstbesten.
    Eine recht sichere Bank für „günstigen“ Treibstoff sind die Tankstellen an Supermärkten.
    Barzahlung ist eher die Ausnahme – Du tankst in der Regel im SB-Betrieb und zahlst mit Kreditkarte oder EC-Karte.
  • Duschen & Co.
    Es gibt in Frankreich immer wieder gute Möglichkeiten, sich irgendwo ordentlich zu waschen, ohne auf einen Campingplatz zu gehen.
    Mit der Zeit habe ich ein regelrechtes Gespür dafür entwickelt, eine gute Waschgelenheit zu finden. Auch dabei kann die Park4Night-App helfen.
    An Stränden gibt es oft Duschen und natürlich immer in Schwimmbädern. Nach mehren Tagen in der Hitze des Südens zahlt man den Fünfer für den Schwimmbadeintritt sicher gerne – und wenn es nur zum Wohle der Mitmenschen ist ;-).

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